KUNSTLABOR

 

DIE ELEKTRONISCHE GALERIE

 

 

KUNSTLABOR hat die Bezeichnung ´Kunst´ vor ´Labor´ stehen, etwa in der Art, wie das Präfix un- vor schön. Und solange dem so ist, ist die Orientierung unserer künstlerischen Praxis vorrangig auf die zeitgenössischen Diskurse der Kunst gerichtet.

 

DIE ELEKTRONISCHE GALERIE hat demnach nicht zum Ziel, die Computergrafik zu fördern. Sie ist weder nur eine Ansammlung von physikalischen Komponenten, noch folgt sie den Dogmen der Medien-Kunst; denn die gebotenen Möglichkeiten an Interaktivität reichen nicht einmal an Video on demand heran. Die Bezeichnung steht schlichtweg für ein Kunst-Projekt. Auch wer online an die horizontalen Angebote von Madame Jacky und ihrer Freundin Miss O. aus Wien, Ottakring herankommen möchte, wird von diesem Netzwerk enttäuscht sein. Und Vorsicht! Diese Einrichtung ist auch kein Modell für ein künftiges tele-working bildender Künstler.

 

Der Galeriebetrieb funktioniert denkbar einfach: Zirka fünfzig Künstler/innen sind zur Teilnahme eingeladen und können ihre Beiträge mittels Computermodem oder Faxgerät zu jeder Zeit an die zentrale Sammelstelle (Zentralrechner) übermitteln. Die Sichtstellen der Galerie, die an beliebigen Orten und in unbegrenzter Zahl aufgestellt werden können, nehmen nach Anschluß an Steckdose und Telefonleitung selbständig ihren Betrieb auf und aktualisieren sich und somit das gezeigte Galerieprogramm automatisch durch tägliche Datenübertragung per Telefonleitung und Modem von der Zentrale. Die Anzeige der Ausstellung erfolgt unwiderruflich, entweder auf einem integrierten LCD-Bildschirm (LCD-PANEL) oder auf dem eigenen Fernsehapparat (CHANNEL 37), in Form von sich permanent im Minutenrythmus abwechselnden Standbildern.

 

 

F.E.Rakuschan: Die elektronische Galerie, in: Karl Gerbel, Peter Weibel (Hrsg.): @rs elecronica 95, Mythos Information - Welcome To The Wired World, Wien/New York, Springer-Verlag 1995, S. 271.